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Hundeerziehung
Extrinsisches Zwangsmarkieren der Caniden
von Tierheilpraktiker U. Türbsch (c) 2011
Anerkanntes Mitglied im Verband Deutscher Tierheilpraktiker (VDT)
Eine Aufklärung vorweg ...
Es geht hier nicht darum einem Hund das "Pinkeln" oder "Lösen" zu verbieten, oder gar per "Gehorsamsübung" zu untersagen. Das wäre vollkommen dumm und ist nicht gemeint. Auch hat es nichts mit menschlicher Dominanz oder Machtgehabe zu tun, nach dem Motto "Pinkeln nur, wenn ich es erlaube". Es geht vielmehr um den Bereich des "Zwangsmarkierens", sprich dem Urinieren unterwegs, das immer wieder zu beobachten ist und fast als selbstverständlich hingenommen wird, ohne zu wissen, welchem Stress ein Hund hierdurch ausgesetzt ist. Diese Handlung ("Pinkeln") des Hundes dient nicht der physiologischen Blasenentleerung, sondern wird durch einen olfactorischen Reiz von außen ausgelöst und als Reizantwort vom Hund als eine nicht selbst entschiedene Handlung umgesetzt. Das ist ein grundbedeutender Unterschied. Doch dazu nun mehr.
Der Unterschied zwischen "pinkeln" und "pinkeln"
Viele Hundebesitzer sind immer noch im Glauben, dass bei Hunden auf einem Spaziergang ein gehäuftes und mehrmaliges Pinkeln (Urinieren) auf dem Weg zum "normalen" Verhalten zählt. Doch es kann auch einen anderen Grund haben. Und hierum geht es.
Es ist zunächst einmal unstrittig, dass es neben dem Urinieren auch ein Markieren und ein Drübermarkieren gibt. Jedoch mit deutlichem Unterschied zwischen Wolf und Hund (siehe Seite Markierverhalten Wolf-Hund und den Ergebnissen des WSC/Wolfs-Forschungs-Centrum). Nun aber kommen wir zum eigentlichen Problem, um welches es geht. Ein zu häufiges Urinieren "des Hundes" z.B. auf einem Spaziergang zählt nicht mehr zu seinen normalen physiologischen Bedürfnissen (Blase entleeren), wird auch nicht mehr umgesetzt durch eine beabsichtigte Handlung, sondern "wird in diesen Fällen ausgelöst!" durch einen äußeren Reiz. Und um das geht es im Wesentlichen. Mehr dazu in den folgenden Zeilen.
Pinkeln, weil die Hundeblase voll ist
(ein physiologisches Bedürfnis)
Natürlich brauchen wir nicht darüber reden, dass es jedem Lebewesen zusteht, sich seiner Blase zu entleeren, wenn diese voll ist. Und so ganz nebenbei werden Schlackenstoffe (sog. harnpflichtige Substanzen aus dem Stoffwechsel) ausgeschieden und aus dem Organismus entfernt. Das ist ein physiologisches Bedürfnis (nicht nur bei Menschen) und macht Sinn. Natürlich auch bei Hunden. Dieses "pinkeln" ist völlig normal und je nach Alter, Größe und Flüssigkeitsaufnahme des Hundes entleert sich ein Hund "physiologisch" bis zu 10-mal (Welpe) und 2-3-mal (als erwachsener Hund) am Tag. Ganz anders verhält es sich beim sogenannten "Markieren" und beim "Drübermarkieren" (die Begriffe sagen uns schon an sich, worum es hier geht), welches nicht mehr der physiologischen Blasenentleerung dient. Und es wird noch problematischer, wenn es durch einen äußeren Reiz zwanghaft beantwortet werden "muss".
Pinkeln, weil er etwas zeigen möchte ....
(nicht physiologisch - aber eine Wesensart)
Wenden wir uns zunächst dem "Markieren" zu. Das Markieren des Hundes durch Urin (oder auch Kotabsatz) ist zunächst eine beabsichtigte Handlung, die dazu dient, territoriale Signale zu setzen und damit anzuzeigen, in welchem "fremden Gebiet" (das besetzt ist) sich ein anderer Hund bewegt, wenn er dieses betritt. Oft liest und hört man, dass der Territorialinstinkt eines Hundes nicht bedeutend ist. Das ist falsch und steht wider jegliche Erkenntnisse (ein Wunschdenken des Menschen). Fassen wir uns doch mal an die eigene Nase. Jeder, der ein Haus sein Eigen nennt, wird es in irgendeiner Form umzäunen - sei es Zaun oder Buschwerk -, um anderen damit zu sagen "das ist mein Gebiet (Besitz)". Nun bauen Hunde keine Zäune und pflanzen auch keine Hecken. Dafür "pinkeln" oder "koten" sie, um der Duftmarkierungen willen. Dieses Verhalten ist erkennbar daran, dass in der Regel ein Baum, Busch oder andere Gebilde dazu genutzt werden. Zunächst nicht problematisch, zeigt aber, dass der Hund hier in einer Verantwortung steht. Und zwar der Aufgabe territoriale Zeichen zu setzen. Dennoch kann es hierdurch zu problematischem Verhalten kommen. Vor allem dann, wenn sich zwei Hunde begegnen, die der gleichen Meinung (Territorium = mein Besitz) sind.
Pinkeln, weil er "muss" .....
Jetzt wenden wir uns dem "Drübermarkieren" zu. Sie erkennen durch vorherige Erläuterungen wahrscheinlich schon, aus welcher Motivation heraus dieses stattfindet.
Hundenasen sind unseren eigenen Nasen im Riechvermögen meilenweit überlegen. Sie riechen, was wir nicht sehen können. Es sei denn es ist Winter und wir erkennen optisch im Schnee das uns bekannte "PINKELGELB auf weißem Grund". Als wir das erste Mal mit unserem Hund einen Weg gingen, war es ein Ausflug in ein fremdes Gebiet, wurde mit Duftsignalen (Markieren) belegt und es ging wieder zurück. Da wir Menschen (einerseits gut so) nun nicht pinkelnd durch die Welt laufen um anderen zu zeigen, dass dieser Weg meiner ist, wird es für den Hund unlogisch, nichts zu tun. Er geht hier schon ein erstes Mal in die Verantwortung für das neue Gebiet und setzt seine Zeichen. Eine beabsichtigte Handlung - denn einer muss es ja schließlich tun. Und wir Menschen nehmen es für die Zukunft mit, dass er sich häufiger entleeren muss (hat er ja gezeigt). Gehen Sie nun an einem anderen Tag den gleichen Weg wieder, hat sich in der Zwischenzeit etwas verändert. Ein anderer Hund/anderes Tier war da, denkt natürlich in seiner logischen Welt, erduftet nun Ihren Hund und pinkelt drüber (über diesen Hund/dieses Tier werden wir nicht reden, denn es geht ja um Ihren Hund - es lässt sich aber alles 1:1 übertragen).
Extrinsisches Zwangsmarkieren ...
(hier wird´s nicht mehr spaßig - es entsteht ein Zwangsmarkieren)
Nun kommen Sie wieder ins Spiel, bzw. Ihr Hund. Sie gehen wieder "spazieren", und natürlich erkennt Ihr Hund, was in der Zwischenzeit geschehen ist. Und es beginnt erneut ein "Drübermarkieren". Hier aber nicht mehr als beabsichtigte durchgeführte Handlung, sondern ausgelöst durch einen äußeren olfactorischen Reiz (durch Urin eines anderen Hundes/Tieres). Und das - wenn möglich - an jeder bedeutsamen / strategischen Stelle, die bereits (fremd-)markiert ist. Dieses Verhalten ist nun keine eigenständige beabsichtigte Handlung mehr, sondern wird ausgelöst durch einen "Zwang", auch weil der Mensch im Gespann/Rudel dieses Problem nicht löst oder regelt. Also wird er beginnen, immer wieder und immer wieder, und jeden Tag aufs Neue, erneut drüber zu markieren (Hamsterrad des Urinierverhaltens). Dieses Verhalten ist als "extrinsisches Zwangsmarkieren" zu definieren. Handlungen, die von außen durch einen Reiz zwanghaftes Verhalten auslösen, kennen wir auch in der Humanmedizin (dort nennt man es Zwangsneurose). Nun möchte ich aber hier nicht alle pinkelnden Hunde zu caninen Neurotikern machen. Dennoch ist es ein Hundeleben lang ein bleibendes Problem, wenn wir Menschen hier die Verantwortung nicht übernehmen (das ist übrigens viel einfacher als man denkt - man muss nur intelligent genug sein).
Befreien Sie Ihren Hund von diesem Zwang.
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Nur durch Verstehen und Handeln - und nicht durch Ignorieren und Belächeln - können Sie aktiv Ihrem Hund helfen und diesen "Zwang" beseitigen (sprich "auflösen"). Das Zwangsmarkieren verliert sich vollständig und ganz, weil es Ihr Hund einfach nicht mehr "muss". Und das ist wichtig. Denn - das was kaum jemand beachtet, ist der hierdurch entstehende Dauerstress des Hundes und seine daraus resultierenden akuten Folgen oder (leider viel zu oft) den Spätfolgen im Rahmen einer Erkrankung, die ursächlich auf Dauerstressfolgen zurückzuführen ist. Jeder Dauerstress wirkt langfristig im Organismus in Zusammenspiel mit dem Endokrinsystem und Nervensystem mit den entsprechenden organischen Auswirkungen sowie den daraus resultierenden Folgen. In der Humanmedizin ist dieses längst bekannt - übrigens nachgewiesen und entdeckt durch das Stressreaktionsverhalten der Tupajas (Eichhörnchenart) - wo es sogar zum totalen Einstellen aller biologischen Lebensfunktionen durch maximalen Dauerstressreiz kam.
Den (Pinkel-)Dauerstress abstellen ...
Nun werden Sie sagen "das ist aber völlig überzogen, Hunde sterben nicht durch das pinkeln draußen" . Da haben Sie natürlich Recht - aber sie werden an den Stressfolgen irgendwann erkranken, und vorher ihre Signale geben, sei es z.B. mit Verdauungsstörungen (als Stressfolge) oder Verhaltensauffälligkeiten (was wiederum Stress bedeutet) oder anderen "Wehwehchen". Und diese ersten Symptome werden leider nicht richtig zugeordnet und allzu schnell mit Antibiotika und Kortisonen überdeckt. Alles ist wieder gut - scheinbar - aber der (Pinkel-)Dauerstress bleibt. Das sollten Sie in dieser Erkenntnis ändern. Ich freue mich über jede Hundebesitzerin und jeden Hundebesitzer die/der hier ihrem/seinem Hund hilft, diesen "Zwang" abzulegen. Denn diese Menschen haben es "verstanden". Und es werden immer mehr - das freut mich. Gehen auch Sie hier in die Aktion und helfen Sie Ihrem Hund (und damit auch allen anderen Hunden) stressfreier in unserer Welt zu leben.
Mit freundlichen Grüssen
U. Türbsch
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Anmerkung:
Einen Auszug des Ethnograms Wolf/Hund finden Sie auf der Seite von THP Türbsch:
>>> Praxis für Tiernaturheilkunde und ganzheitliche Tiermedizin <<<
(es öffnet sich ein neues Fenster - wählen Sie dort den Button "Markieren Wolf/Hund")
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